vegankids.de: vegane Kinder
http://vegankids.de/ernaehrungbishop 
 

Gewährleistung der Nährstoffzufuhr bei veganen Kindern

Als Eltern sind wir verpflichtet, unseren Kindern die bestmögliche Ernährung zu geben und sicherzustellen, daß ihr Nährstoffbedarf gedeckt wird. Manche von uns sind vielleicht von den Vorteilen einer veganen Ernährung überzeugt, wenn es um uns selbst geht, aber fragen sich, ob sie wirklich sicher und gesund für ein heranwachsendes Kind ist. Sicher sind Kinder und ihr spezieller Bedarf an Nährstoffen die größte Herausforderung für die Angemessenheit einer veganen Ernährung. Es ist für vegane Eltern eine erfreuliche Nachricht, daß die vegane Ernährung diese Herausforderung mit Bravour meistert. Vegane Kinder essen normalerweise mehr Obst und Gemüse als ihre fleischessenden Altersgenossen. Sie sind selten krank und haben kaum Nahrungsmittelallergien. Das schnelle Wachstum, das Kinder in ihren frühen Jahren durchleben, setzt ausreichende Mengen Protein, Fett, Vitamine und Mineralstoffe voraus. Vegane Ernährung ist von Natur aus weniger nahrhaft, da sie mehr Masse und oft weniger Fett besitzt, und muß daher dem speziellen Nährstoffbedarf von Kindern angepaßt werden. Die erste Nahrung, die ein Kind bekommt, sind üblicherweise pürierte Früchte, gekochtes Gemüse und mit Eisen angereicherte Reiscerealien. Alle diese Dinge sind vegan [letzteres nicht unbedingt, Anm. d. Übers.]. Um die Allergiegefahr zu reduzieren, empfiehlt es sich, im ersten Lebensjahr des Kindes Kuhmilch und Eier zu meiden, gleichgültig ob es vegan ist oder nicht.

Kleine Kinder experimentieren gerne und probieren gerne neue Dinge aus. Allseits bekannt sind auch ihre starken Vorlieben (und Abneigungen) im Bezug auf Essen. Eine optimale Nährstoffversorgung sicherzustellen kann daher unter diesen Voraussetzungen eine schwierige Herausforderung sein. Kinder benötigen mehr als drei Mahlzeiten am Tag, wenn sie jung sind. Nahrhafte Snacks stellen eine signifikante Ergänzung der Nährstoffaufnahme für das vegane Kind dar. Energiereiche Lieblingsspeisen sind unter anderem pürierte Bananen mit Sojajoghurt, Brot oder Cracker mit Tofuaufstrichen und selbstgemachte Muffins. Vermeiden Sie ein Zuviel an Ballaststoffen. Produkte mit einer hohen Konzentration an Ballaststoffen wie beispielsweise rohe Weizenkleie, Kleiecerealien und Kleiemuffins sind nicht geeignet für kleine Kinder. Vollkornbrot und -cerealien wie z.B. brauner Reis, Hirse, Quinoa und Hafermehl steuern wichtige Mineralstoffe zur Ernährung bei und sind in Maßen empfehlenswert. Brot und Cerealien aus Weißmehl wie z.B. angereicherte Pasta können dabei helfen, den Gesamtgehalt der Nahrung an Ballaststoffen zu begrenzen. Kleine Kinder mögen Obst und Gemüse lieber geschält. Dies trägt ebenfalls zu einer Beschränkung der Aufnahme von Ballaststoffen bei.

Muttermilch ist eine hervorragende Quelle für Kalzium, Protein und andere Nährstoffe. Da sie viel Energie und Nährstoffe enthält, aber wenig Ballaststoffe, trägt sie zu einer ausgewogenen Ernährung des Säuglings bei. Säuglinge sind besonders anfällig für Anämien, die durch Eisenmangel ausgelöst werden. Es gibt zwei Arten von Eisen, nämlich Häm (welches in Fleisch vorkommt) und Nicht-Häm, welches in fleischlosen Nahrungsmitteln wie Eiern, Cerealien, Gemüse, Erbsen, Bohnen und Linsen vorkommt. Nicht-Häm-Eisen wird vom Körper nicht so leicht aufgenommen wie Häm-Eisen. Vitamin C unterstützt bei gleichzeitiger Aufnahme die von Nicht-Häm-Eisen. Frühstückscerealien, die mit Eisen und Vitaminen angereichert sind, können eine gute Ergänzung darstellen. Sojamilch ist ein guter Ersatz für Kuhmilch. Am besten für kleine Kinder sind mit Kalzium angereicherte Varianten. Dasselbe gilt für Reis-, Hafer oder Nußmilch im Rahmen einer veganen Ernährung. Sofern sie nicht mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind, braucht das Kind zusätzlich Kalzium und Vitamine als Nahrungsergänzung. Beraten Sie sich darüber auf jeden Fall mit ihrem Arzt. Nicht alle Nahrungsergänzungen sind für kleine Kinder geeignet.

Nüsse sind eine ausgezeichnete Proteinquelle bei fleischloser Ernährung. Außerdem sind sie mit ihrem Gehalt an Protein und den Vitaminen A und E sowie Mineralstoffen wie Phosphor und Kalium sehr nahrhaft. Weiche Nußbutter ist bei Kindern meist sehr beliebt. Bei Kindern mit einer Vorgeschichte an Allergien in der Familie sollte Erdnußbutter bis zum Alter von zwei Jahren gemieden werden. Ganze Nüsse sind für kleine Kinder aufgrund von Erstickungsgefahr nicht geeignet. Achten Sie auf eine reichhaltige Auswahl fettreicher Nahrungsmittel bei der Ernährung Ihres Kindes. Tofu, weiche Nußbutter und -creme, pürierte Avocados, Sojajoghurt, Sojapudding und -suppen sowie in Maßen Oliven-, Raps- und Leinsamenöl sind gute Quellen für gesundes Fett.

Eltern veganer Kinder im Schulalter treffen auf eine neue Reihe von Herausforderungen und möglicher Schwierigkeiten. Viele Kinder in dieser Altersgruppe sind von Geburt an vegan ernährt worden. Es kommt jedoch immer öfter vor, daß Kinder bereits im Alter von 7 oder 8 Jahren diese Ernährung selbst wählen. Snacks und Mittagessen für die Schule wird wahrscheinlich von zu Hause mitgebracht werden müssen, da es beim Schulessen nur eine beschränkte Auswahl an veganem Essen geben dürfte. Manchmal bieten Schulen vegane Speisen an wie z.B. Säfte [wobei der Veganstatus aufgrund unbekannter Filterung fraglich ist, Anm. d. Übers.], Gemüse und Obst, milchfreies Brot, gebackene Kartoffeln und sogar gelegentlich mit Bohnen gefüllte Tortillas. Manche Eltern befürchten, daß Kinder, die vegan sind, diese Ernährung sozial schwierig finden. Diese Befürchtung ist gerechtfertigt. Dabei ist es hilfreich sich zu vergegenwärtigen, daß viele Schüler Nahrungsmittel aus religiösen Gründen oder aufgrund einer Allergie meiden, oder auch einfach, weil sie sie nicht mögen. Wenn ein Kind Angst hat gehänselt zu werden, weil es Tofu und Sprossen mit in die Schule bringt, dann könnte ein Lunchpaket bestehend aus einem Sandwich mit Erdnußbutter und Marmelade, Äpfeln, Karotten und fruchtgesüßten Keksen eine Alternative sein. So wird niemand bemerken, daß sie eine "besondere" Ernährung praktizieren.

Kinder sollten zur Versorgung mit Vitaminen und Ballaststoffen viel Obst und Gemüse essen. Ideal sind fünf Portionen am Tag (etwa 400g). Snacks aus frischen oder getrockneten Früchten enthalten auch Eisen. Gemüse läßt sich leicht in vielen Arten von Gerichten verwenden, wie z.B. Currys, Aufläufen und Pfannen-Rührgerichten. Salat kann auch für Sandwiches und Wraps verwendet werden. Bohnensalate und Hummus (Kichererbsen und Tahin) sind leckere Füllungen für Sandwiches und Pellkartoffeln. Proteinreiche Nahrungsmittel sind für das Wachstum und die Entwicklung der Muskeln und der lebensnotwendigen Organe in dieser Altersgruppe wichtig. Gute Proteinquellen sind beispielsweise Erbsen, Bohnen, Linsen, Nüsse, Samen, Tofu, Sojamilch und spezielle pflanzliche Produkte aus texturiertem Pflanzenprotein (TVP = textured vegetable protein). Eine vegane Ernährung muß sorgfältig abgestimmt sein, um eine reichliche Versorgung mit diesen Nahrungsmitteln sicherzustellen. Bewährte Lieblingsgerichte veganer Kinder sind z.B. Spaghetti mit Tomatensoße, Sandwiches mit Tofu oder anderem Fleischersatz und Sojakäse überbacken nach Art eines Burgers, Hot Dogs, "Chicken" Nuggets und Sandwichscheiben, Gemüselasagne und Pizza mit Sojakäse, Gemüseeintöpfe, gebackene Kartoffeln, Waffeln und Pfannkuchen mit Früchten, Frucht-Smoothies [zu "smoothies" siehe z.B. hier: http://www.abseits.de/smoothies.htm, Anm. d. Übers.], Popcorn und veganes "Junk Food" wie Eiskrem und Süßigkeiten.

Vegane Kinder benötigen keine Nahrungsergänzungen, wenn angemessene Mengen an angereicherten Nahrungsmitteln verwendet werden. Sofern angereicherte Nahrungsmittel nicht durchgängig in ausreichenden Mengen verwendet werden, könnte eine Ergänzung mit Vitamin D (5µg/Tag oder 10-15 Minuten Sonneneinstrahlung auf Arme und Gesicht) und B12 (1-2µg/Tag) nötig sein. Ein veganes Multivitaminpräparat ist dafür geeignet. Achten Sie darauf, daß es auch Zink enthält. Untersuchungen zu Kindern mit regulärer veganer Ernährung aus den USA (1) und Großbritannien (2) haben gezeigt, daß vegane Kinder gesund und genauso groß oder größer sind als ihre nichtveganen Altersgenossen. Fettleibigkeit in der Kindheit und damit zusammenhängende Probleme sind bei veganen Kindern sehr selten.

Zusammenfassend gesagt ist es für Kinder ohne weiteres möglich, mit einer vegetarischen Ernährung alle Nährstoffe zu bekommen, die sie benötigen. Generationen von Menschen auf der ganzen Welt haben das über Jahrhunderte hinweg getan. Eltern, die ihre Kinder vegan heranwachsen lassen, sollten sich der speziellen Ernährungsmängel, für die ihre Kinder anfällig sein könnten, bewußt sein und soweit nötig eine geeignete Ergänzung sicherstellen. Das Positive daran ist, daß eine vegane Ernährung Ihrem Kind den frühen Anfang eines langen, gesunden und mitfühlenden Lebens bietet.

1) O'Connell JM, Dibley MJ, Sierra J, Wallace B, Marks JS, Yip R. Growth of vegetarian children: The Farm Study. Pediatrics. 1989;84:475-439.

2) Sanders TAB. Growth and development of British vegan children. Am J Clin Nutr. 1988;48:822-825.

Empfohlene Literatur:

  • Raising Vegetarian Children: A Guide to Good Health and Family Harmony Von Joanne Stepaniak und Vesanto Melina

  • Pregnancy, Children and the Vegan Diet Von Michael Klaper, M.D.

  • Healthy Eating for Life for Children Vom Physicians Committee for Responsible Medicine

  • Raising Vegan Children in a Non-Vegan World: A Complete Guide for Parents Von Erin Pavlina

    Katharina ist die Inhaberin von Tushita Holistic Therapies, einem Unternehmen für ganzheitliche Gesundheitsprodukte in Südwestengland. Sie hat mehrere Artikel verfaßt, die auf großen Websites veröffentlicht wurden. Sie ist die Mutter eines Sohnes, Kiran.

    Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von: http://www.vegfamily.com

    o

  • ^ nach oben»Gewährleistung der Nährstoffzufuhr bei veganen Kindern«
    von Katharina Bishop (Datum: 31. Mai 2005)
    Freitag, 18. Mai 2012