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Ohne Fleisch groß und stark werden

Es war einmal ein Land, in dem man sich Kindererziehung nicht ohne die Gebrüder Grimm vorstellen konnte. Die pädagogischen Vorzüge von deren Märchen sind mittlerweile umstritten und so gilt nur noch Weniges für die lieben Kleinen als unverzichtbar - in jedem Fall aber Fleisch. Warnungen vor Schäden durch vegetarische Ernährung bei Kindern sind jedoch ebenfalls nichts als Schauermärchen.

Die meisten Ernährungswissenschaftler und Ärzte sehen keinerlei Risiken darin, Kinder von klein auf vegetarisch zu ernähren. Dabei wird seit einigen Jahren wieder verstärkt darauf hingewiesen, dass in den ersten Monaten des Lebens die beste Babynahrung aus der Mutterbrust fließt. Wenn die Kleinen allerdings nach etwa vier bis fünf Monaten anfangen können, auch Breikost zu essen, steht laut Experten einem Verzicht auf Fleisch nichts entgegen.

Wichtig: Calcium, Eisen und Vitamin B12

Wichtig ist die ausreichende Versorgung mit Calcium, Eisen und dem Vitamin B12. Letzteres findet sich unter anderem auch in Soja-Produkten oder Hefe. Leider nicht in Frage kommt für Säuglinge oder auch stillende Mütter das wahre Vitamin-B12-Elixier des Bayern, das Bier. Wenn das Kind selbst zu essen beginnt, sollte, um Allergien vorzubeugen, auf glutenhaltiges Getreide verzichtet werden. Am Anfang werden darum Reis oder Amaranth empfohlen. Das Stillen hat nach seiner zeitweiligen Ächtung in den Industrienationen während der 60er- und 70er-Jahre in den vergangenen Jahrzehnten eine laut Fachleuten erfreuliche Wiederauferstehung gefeiert. Wichtig ist dabei für vegetarisch oder auch vegan lebende Mütter, den Schwerpunkt noch mehr als vor Schwangerschaft und Geburt auf Nahrungsmittel mit den oben genannten Inhaltsstoffen zu legen. Hinsichtlich der ausreichenden Versorgung des Säuglings mit Vitamin D gilt für Vegetarier-Mütter die gleiche Regel wie für Fleischesserinnen: Her mit der Sonne!

Risikofaktor Milch

Immer mehr ins Zwielicht hingegen gerät bei Ernährungswissenschaftlern der gute Ruf der Kuhmilch. Manche Ärzte warnen unter anderem vor gesättigten Fettsäuren, Rückständen von Antibiotika oder Pestiziden aus Futtermitteln in der lange Zeit als Grundlage der Kinderernährung angesehenen Milch. Das für den Knochenaufbau notwendige Calcium findet sich beispielsweise auch in grünblättrigem Gemüse oder Bohnen reichlich und kann daraus mindestens genauso gut aufgenommen werden wie aus der Milch. Auch das gegenüber Vegetariern gern als Totschlag-Argument benutzte Stichwort "Eisenmangel" sticht nicht wirklich. Während sich vor allem in dunkelgrünem Gemüse wie Spinat und Broccoli oder in Getreide ein reichlicher Anteil des Spurenelements findet, sucht man es in der Kuhmilch zum Beispiel vergebens. Kuhmilch steht bei Allergologen und Diabetologen überdies mittlerweile im Verdacht, ein Faktor bei der Entstehung von Allergien und Diabetes zu sein.

Weniger Übergewicht bei vegetarisch lebenden Kindern

Das Problem heutiger Kinder, von denen viele bereits früh mit den Vorbereitungen für eine spätere Fast-Food-Karriere beginnen, ist ohnehin weniger die Unter- als die Überversorgung mit manchen Nährstoffen. Während manche Oma oder Ur-Oma noch immer Fett und Butter als Haussegen gegen Lungenkrankheiten hochhält, schrillen angesichts zunehmend übergewichtiger Kinder bereits seit längerem sogar die politischen Alarmglocken. Vegetarisch aufwachsende Kinder neigen nachweislich nur sehr selten zu Übergewicht. Bei der Versorgung mit lebenswichtigen Stoffen kommt ihnen außerdem zugute, dass ihre vegetarischen Eltern in der Regel überdurchschnittlich ernährungsbewusst sind. Das zieht weitere Vorteile wie geringere Anfälligkeit für Allergien und andere Krankheiten nach sich.

Vegane Ernährung für Kinder

Bei der veganen Ernährung, die außer auf Fleisch auch auf alle anderen tierischen Produkte wie Milch oder Eier verzichtet, raten manche Experten zur Vorsicht. Zumindest im ersten Lebensjahr bestehe beim oft unregelmäßig beginnenden Essen der Babys ein Risiko von Unterversorgung. Bei größeren Kindern hingegen sehen viele Ärzte und Mediziner keine Probleme. Eiweiße, Fette, Vitamine und Spurenelemente können auch und oft auch leichter aus Gemüsen, Getreide oder fermentierten Sojaprodukten aufgenommen werden.

Quelle: B5 Verbrauchermagazin

[Anmerkung: Nach unseren Informationen enthält Bier kein verwertbares B12, Sojaprodukte - es sei denn, sie sind angereichert - ebenfalls nicht.]

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von vegankids.de (Datum: 09. Oktober 2004)
Freitag, 18. Mai 2012