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Schwangerschaftstagebuch - Zweites Trimester

14. Woche

Mittwoch
Jipiiieeehhh, die Übelkeit lässt endlich nach! Mir ist nun fast nur noch morgens übel; allerdings kann ich auf einmal bestimmte Speisen absolut nicht mehr riechen und teilweise auch nicht sehen. Reife Bananen lösen den absoluten Brechreiz in mir aus und wenn morgens noch schmutziges Geschirr vom Vortag in der Küche steht, ist der Morgen eh gelaufen. Achim hat es nicht leicht mit mir, er darf mit Bananen (und Äpfeln, die sind fast genauso schlimm) nicht in meine Nähe kommen, wenn er die gerade isst, Fruchteis ist auch ganz widerlich. Und das Spülen übernimmt Achim auch ganz, ich würde das Spülwasser wohl eher verschmutzen als dass ich damit was säubern könnte. ;-/

Sonntag
War heute bei einer alten Tierschützerin zu Besuch - notgedrungen, da ich Fotos von vier armen Katzen machen musste, die sie aufgenommen hat und ohne Internet niemals wird vermitteln können. Die, die selbst jedem, der es hören oder auch nicht hören will, erzählt, dass sie „Vegetarierin und eine radikale Tierschützerin“ ist, musste natürlich sofort fragen „Und, jetzt wo du schwanger bist, denkst du, dass das denn alles so richtig ist mit dem Veganen?“. Habe nur kühl geantwortet, dass ich nicht wüsste, was falsch daran sein sollte, keine Tiere auszubeuten und umzubringen und ob ich krank aussehe. Sie hielt erstaunlicherweise sofort den Mund.

15. Woche

Montag
Zu den Blähungen (die immer noch nicht weg sind - und ich kann kein bestimmtes Nahrungsmittel als Ursache ausmachen) kommen weitere Verdauungsprobleme; es fällt zunehmend schwer, regelmäßig aufs Klo zu gehen. Und das passiert mir als Veganerin; bildete mir bisher immer ein, von solchen Problemen dank überdurchschnittlich ballaststoffreicher Ernährung verschont zu bleiben. ;-)

Mittwoch
Habe bei Ebay noch ein weiteres Schwangerschaftsbuch ersteigert (außerdem noch zwei Vornamenbücher), das gestern angekommen ist. Bin da nur durch Zufall draufgestoßen, es ist ein ganz normaler (nur ziemlich umfangreicher) Ratgeber: „Der große TRIAS-Ratgeber Schwangerschaft und Geburt“. Beim Durchblättern wollte ich die Ernährungstipps erst überblättern, dachte mir „den Scheiß muß ich mir nicht noch mal durchlesen“, war dann aber doch neugierig und positiv überrascht, was ich da las. Ich zitiere mal, was da unter „Vegetarische Ernährung“ steht: „Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt vegetarisch und diese Ernährungsweise kann bei ausgeglichener Zusammenstellung, wie sie in diesem Kapitel erläutert wurde, ein vollständiges Nahrungsangebot liefern. Im Allgemeinen können Sie von allen Nährstoffen, die Sie brauchen genügend aufnehmen. Liegt doch ein Mangel vor, sind Ergänzungspräparate ratsam, besonders für Eisen, Zink und manche Vitamine. Dabei wurde unterstellt, dass sie etwas Käse, Eier und/oder Milch zu sich nehmen. Wenn Sie jedoch überhaupt keine tierischen Nahrungsmittel essen, wird Ihnen B12 fehlen, das nur in tierischen Geweben vorkommt und Hefeextrakten (die in ihrem Speiseplan enthalten sein sollten). Strenge Vegetarierinnen sollten während der Schwangerschaft Vitamin B12 als Ergänzungspräparat zu sich nehmen.“ Mit den „Hefeextrakten“ sind wohl mit B12 angereicherte gemeint, die es m.W. hier in Deutschland nicht gibt - allerdings freue ich mich, ein Buch gefunden zu haben, in dem veganen Schwangeren nicht die schlimmsten Horrormärchen erzählt werden.

Sonntag
Heute rief mich eine Tierschützerin an, die mir erzählte, eine ihrer Bekannten sei schwanger und werde bald ihr Kind bekommen. Die Frau war mal irgendwann vegan und sei ja dann aber so krank geworden deswegen, ja, sie habe sogar bei einer vorherigen Schwangerschaft ihr Kind verloren. Nun esse sie wieder Milchprodukte und Eier und alles sei ok. Ich wurde ziemlich ungehalten und meinte „So ein Schwachsinn, ich bin auch schwanger und verliere mein Kind nicht.“ Daraufhin meinte sie „Naja, Du bist ja auch erst im 4. Monat, die xy hat ihr Kind auch erst im 6. verloren.“ Ich hätte durch den Telefonhörer kriechen können um sie zu erwürgen. Habe ihr stattdessen nur gesagt, dass ich nicht krank bin, es aber krank finde, die einen zu hätscheln (diese Tierschützerin sowie die Ex-Veganerin investieren fast ihre gesamte Zeit in die Pflege von Kaninchen und Co.) und die anderen umzubringen. Die wird mich wohl eine Zeit lang nicht mehr anrufen, aber dann muß ich mir wenigstens nicht ihre Weisheiten zur krankmachenden veganen Ernährung anhören.

16. Woche

Dienstag
Habe die Verstopfung wieder einigermaßen im Griff, täglich ein Müsli mit Trockenfrüchten, Nüssen (sind ja eh supergesund :)) und natürlich viel frischem Obst sowie morgens ein Glas naturtrüber Apfelsaft wirken fast schon Wunder. In dem Schwangerschaftsbuch habe ich noch eine interessante Stelle gefunden bezüglich Milchprodukte in der Schwangerschaft, auch daraus will ich mal stellenweise zitieren: „Die Milchprodukte versorgen uns mit Kalzium, Proteinen und Fetten in recht schmackhafter Form. Von vielen Schwangeren werden sie daher äußerst gerne verzehrt. Ihre Bedeutung als Quelle von Kalzium, Proteinen und auch Vitaminen wird allerdings oft überschätzt, […]. Außerdem enthalten Milchprodukte wenig Ballaststoffe (was zu Verstopfung führen kann), dafür jedoch viele Kalorien und gesättigte Fettsäuren. Es ist sicherlich nicht notwendig, während oder nach der Schwangerschaft jeden Tag einen halben Liter Milch zu trinken. Sie können alle Nährstoffe, die in den Milchprodukten enthalten sind, auch aus anderen Lebensmitteln beziehen - Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte und Gemüse. In vielen orientalischen Kulturen spielen Milchprodukte kaum eine Rolle […].“ Ach ist das nett, sich endlich mal nicht überlegen zu müssen, wie 85% der Menschheit ohne Milchprodukte überleben können. ;-))

Sonntag
Habe mich heute ganz schlimm mit meiner Mutter gestritten; nachdem ja einige Zeit Ruhe war, musste sie mir heute wieder drücken, dass vegane Ernährung „ja nicht gut sein kann“ (habe ich schon erwähnt, dass nicht sein kann was nicht sein darf?) und mein Kind, wenn es vegan leben müsse, ein „ganz trauriges Kind“ werde. Auf meine Frage, warum jemand, der anderen Tieren keine Gewalt antut, traurig sein sollte, wusste sie keine Antwort. Aber wenn ihr Enkelkind dann zu ihr käme, werde sie ihm nichts Veganes kochen. Habe ihr daraufhin erklärt, dass ihr wohl nichts anders übrigbleiben wird, wenn sie Ihr Enkelkind zum Essen bei sich haben will und dass sie sicher auch vegan kochen könnte, würde das Kind eine Nahrungsmittelallergie oder Unverträglichkeit gegenüber tierlichen Produkten haben; sie meinte, das sei „dann ja was anderes“. Endete alles in viel Geschrei, nachdem ich vergeblich versucht hatte, ihr zu erklären, dass mein Kind nun mal beigebracht bekommen wird, dass auch nichtmenschliche Tiere ein Recht auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit haben. Wir reden nun nicht mehr miteinander. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, besser jetzt als wenn ich irgendwann später meinem Kind erklären muß, warum es nicht mehr zu Oma und Opa gehen darf (die ihm Leichenteile vorsetzen würden o.ä.); da soll es lieber erst gar keine Beziehung zu seinen Großeltern aufbauen.

17. Woche

Montag
Und wieder Termin beim Gyn. :) Hb-Wert 15,6; Gewicht 71 Kilo. Es sieht alles gut aus, ich fiebere nun der nächsten Untersuchung entgegen, wo der Gyn hoffentlich das Geschlecht erkennen kann. Bei dieser Untersuchung wird dann wohl auch nach eventuell bestehenden Fehlbildungen wie einem offenen Rücken o.ä. geschaut; und obwohl ich eine sehr besorgte Schwangere bin, die sich bei jedem Ziehen im Unterleib wirklich riesige Sorgen macht (wusste gar nicht, dass einen so was fast in den Wahnsinn treiben kann - andere Mütter haben mich aber beruhigt, dass das normal sei…), bin ich deswegen nicht besorgt. Sollte mein Kind "behindert" sein (wie immer man das auch definiert), liebe ich es trotzdem genauso. Ich will nur, dass es keinen Schaden hat, der ihm Leiden zufügt - mit allem anderen bin ich die wahrscheinlich glücklichste Mutter der Welt.

Mittwoch
Habe heute festgestellt, dass meine letzte normale Jeans mir nicht mehr passt. Glücklicherweise habe ich schon vor zwei oder drei Wochen zwei Paar Umstandsjeans bei Ebay ersteigert, die sind tatsächlich superbequem. Mein Bauch ist sichtbar gewachsen, die SS dürfte nun für meine Mitmenschen endgültig erkennbar sein. Statt mir Gedanken über mein Gewicht zu machen oder dass ich wohl etwas unförmig wirke, bin ich einfach nur stolz auf meinen Bauch. Trotz diverser kleiner Probleme wie immer mal wieder Bauchschmerzen, Muskelschmerzen und Schwindel sowie der Besorgnis, ob es meinem Kind auch gut geht (wenn man in seinen eigenen Bauch sehen könnte!) habe ich mich noch nie so „normal“ gefühlt wie jetzt als Schwangere. Ich wollte nie zu den Frauen gehören, die selig in sich hineinlächelnd ihren Babybauch streicheln - aber genau das tue ich jetzt immer wieder. Und bin einfach nur glücklich dabei.

Sonntag
Habe heute mit einer Freundin einen Flohmarktstand gemacht und wurde von Bekannten (man trifft sich da ja so…) des öfteren angesprochen „sag, bist du schwanger?“. Wenn ich das richtig interpretiere, sehe ich nun also für meine Mitmenschen schwanger aus. ;-) Keiner verlor allerdings ein Wort über vegane Ernährung in der Schwangerschaft. :)

18. Woche

Montag
Bin total fertig von gestern, habe mir einen derben Sonnenbrand zugezogen und hatte letzte Nacht ganz ekelhafte Wadenkrämpfe. Wie machen das nur Schwangere, die bereits ein Kind haben? Vor denen habe ich echt allerhöchsten Respekt, die haben ja täglich Streß und Arbeit. Ob ich das eines Tages herausfinden werde? ;-)

Freitag
Habe heute eine Hebamme gefunden, bei der ich einen Geburtsvorbereitungskurs machen werde, außerdem soll sie nach der Geburt die Hebamme sein, die mich betreut. Bislang stelle ich mir im Idealfall eine ambulante Geburt vor, höchstens eine Nacht Aufenthalt im Krankenhaus (falls die Geburt sehr lange dauern sollte, was ja nicht auszuschließen ist). Das nächste Geburtshaus ist leider zu weit weg, sonst wäre das eine super Alternative für mich gewesen. Ich kann Krankenhäuser nicht leiden und schließlich will ich ein Kind gebären und keinen medizinischen Eingriff durchmachen. Nun ja, das Krankenhaus, was ich mir ausgesucht habe, ist ziemlich modern und ich werde mir noch vor Ort genau ansehen, wie weit das wohl zutrifft mit der „selbstbestimmten Geburt“ dort. Für eine Hausgeburt fühle ich mich bislang irgendwie zu unsicher. Aber ich schweife ab. „Meine“ Hebamme ist gleichzeitig auch noch Stillberaterin und klingt sehr nett und kompetent am Telefon, ich habe ein gutes Gefühl bei ihr. Der Geburtsvorbereitungskurs fängt an, wenn ich Mitte 7. Monat bin und geht acht Wochen. Mit der Anmeldung, die ich gleich telefonisch getätigt habe, rückt die Geburt für mich gleich ein ganzes Stück näher, auch wenn es de facto ja noch gute fünf Monate sind. :-)

19. Woche

Montag
Habe vorhin bei meinem Heilpraktiker angerufen weil die nächtlichen Muskelkrämpfe immer wieder auftauchen und ich mich freuen würde, das einigermaßen in den Griff zu bekommen. Da meine Kalziumzufuhr gut ist und ich es auch schon mit einem Magnesiumpräparat versucht habe, liegt es wohl nicht an einer Unterversorgung. Ich hatte Glück und habe gleich für heute abend einen Termin bekommen.

Mittwoch
Auch wenn Achim natürlich überzeugt ist, dass das alles Humbug ist: meine Beschwerden sind weg. Werde auf jeden Fall auch zur Geburtsvorbereitung zum Homöopathen gehen, schaden kann es auf keinen Fall was. ;-)

Samstag
Gestern habe ich zum ersten Mal mit absoluter Sicherheit mein Kind gespürt. Ich hatte vorher zwar schon einige Zeit den Eindruck, dass sich da „was rührt“, aber ein Rest Unsicherheit, ob es nicht doch einfach nur die Verdauung ist ;-), blieb immer. Ich bin wieder etwas müder, schlafe nachts mind. 8, oft sogar 9 Stunden und wenn ich tagsüber die Gelegenheit habe, ist gut noch mal ein Mittagsschlaf von einer Stunde drin. Und ich fühle mich insgesamt irgendwie ruhiger, genieße langsame Spaziergänge, in der Badewanne zu liegen oder einfach nur mit einem Buch (jedes zweite Buch, was ich lese, ist natürlich eines über Schwangerschaft, Geburt oder Stillen ;-)) auf der Couch zu liegen.

Sonntag
Habe heute mit einer Bekannten telefoniert, die gar nicht glauben konnte, dass es mir tatsächlich egal ist, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen bekomme. Sie meinte „komm, das gibt’s doch nicht, du kannst es mir doch sagen, was du lieber hättest“. Dabei sind mir bisher keine Vor- oder Nachteile des einen oder anderen Geschlechts bekannt. Ich würde am Mittwoch bei der Ultraschall-Untersuchung zwar schon gern das Geschlecht meines Babys erfahren, aber nur aus Neugierde und nicht, um mich dann noch mehr zu freuen oder gar Zeit zu haben, eine Enttäuschung zu verkraften.

20. Woche

Mittwoch
Heute bin ich die glücklichste Frau der Welt!!! Ich (bzw. wir, Achim ist selbstverständlich bei jeder Vorsorge-Untersuchung dabei :)) hatte wieder einen Untersuchungstermin beim Gyn und es stand eine ausführliche Ultraschalluntersuchung an. Mein Kind hat sich gut entwickelt; soweit man das auf dem Ultraschall erkennen kann, ist alles vorhanden und alles an seinem Platz. :) Als der Arzt dann so während des Ultraschalls erzählte „ja, sehr gut, hier sieht man die beiden Gehirnhälften, sie sind beide gut entwickelt und gleich groß, hier ist das Kleinhirn, das sieht auch normal aus, die Wirbelsäule sieht gut aus und der Rücken ist geschlossen, die Speiseröhre ist auch da, hier ist das Zwerchfell und hier sehen Sie das Herz mit den vier Kammern, die Blase ist gefüllt, es trinkt also Fruchtwasser und scheidet es wieder aus…“ etc. etc. war ich ja schon ziemlich froh, nicht schon vorher über alle Möglichkeiten von Missbildungen informiert gewesen zu sein; ich hätte mir noch viel mehr Sorgen gemacht als sowieso schon. Mein Kind ist nun ca. 20 cm groß - und es ist ein Junge! Ich hatte es schon seit einigen Wochen im Gefühl (nachdem ich zu Beginn der SS mit einem Mädchen gerechnet hatte), aber mich nicht mal getraut, es hier aufzuschreiben. Es war ja einfach nur ein Gefühl. Ich sollte wohl lernen, noch mehr auf meine Gefühle zu vertrauen. :) Ach, und noch der Vollständigkeit halber: mein HB-Wert liegt bei 13,6 und ich wiege 74 kg (angezogen und mit Frühstück im Magen wohlgemerkt ;-)).

Sonntag
Eigentlich dachte ich, das wäre nur ein anfängliches Problem in der SS gewesen - aber mittlerweile merke ich, dass ich in bestimmten Dingen emotional echt nicht belastbar bin. Gestern abend habe ich im Fernsehen per Zufall zwei schwer kranke (sterbende?) Kätzchen gesehen und einen bestimmt einstündigen Weinkrampf bekommen deswegen. Bis zur SS konnte ich mit Leid ja relativ gut umgehen, will sagen, es verkraften (sonst wären all die Recherchen in Tierausbeutungsanlagen und Tierbefreiungen ja niemals möglich gewesen); aber nun fühle ich mich emotional absolut „nackt“. Ich hoffe, dass das irgendwann wieder vorübergeht, denn das ist schon sehr belastend…

21. Woche

Montag
Juchhu, Halbzeit!!! Mein Baby strampelt schon seit einigen Tagen richtig kräftig, ich spüre es nun so oft, dass ich es gar nicht mehr zähle. Aber ich freue mich jedes mal wieder, jeder Tritt verstärkt irgendwie das Band zwischen uns. Von außen, mit der Hand auf dem Bauch, kann man die Tritte leider immer noch nicht oder kaum fühlen, so dass Achim in der Beziehung immer noch ein bisschen Außenseiter ist - ich hoffe, das ändert sich bald damit er endlich auch mehr von seinem Kind mitbekommt. Letzte Nacht habe ich nur 4 Stunden geschlafen, wie zwei Nächte zuvor auch. Normalerweise schlafe ich sehr gut und eigentlich sollen Schlafstörungen ja auch erst viel später in der SS auftauchen, aber da ich das Glück habe, mich tagsüber so ziemlich nach Belieben ausruhen zu können, ist das nicht schlimm. Im Gegenteil, wenn ich aufwache, wacht meist kurze Zeit später auch mein Baby auf und ich genieße dann die stille Zwiesprache mit ihm. Obwohl wir ja nun wissen, dass es ein kleiner Junge ist, sind wir mit der Namensfindung noch nicht weiter gekommen - na ja, ist ja auch noch ein bisschen Zeit. ;-)

Donnerstag
Heute muß ich mal jammern. Ich habe ein ziemlich schlimmes Ekzem entwickelt, und irgendwie scheint nichts dagegen zu helfen. Als es vor ein paar Wochen anfing und ich es meinem Gyn zeigte, meinte der, das sei schwangerschaftsbedingt und werde wieder weggehen. Vorhin war ich damit bei seiner Vertretung (Gyn ist im Urlaub), weil es so viel schlimmer geworden ist, und der meinte, das sei nichts schwangerschaftsbedingtes und er könne mir leider auch nicht groß helfen, da ich ja schwanger sei und die meisten Cortisonsalben da nicht geeignet seien. Hallo?! Cortison?! Ist das alles? „Bei Ihnen besteht wohl eine Neigung zu Neurodermitis.“ Ahhhh!!! Der ständige Juckreiz und das Brennen machen mich richtig mürbe. Ich war bisher immer stolz darauf, solche Probleme nicht zu haben und nun hat’s mich volle Kanne erwischt. Morgen ist mein Heilpraktiker wieder aus dem Urlaub zurück, den werde ich sofort anrufen.

Freitag
Hatte gleich heute Mittag einen Termin beim Heilpraktiker, der sich das ganze auch noch mal angesehen hat und meinte, ich solle mir keine Sorgen machen, so ein Ausschlag (hätte ihn ja schon dafür küssen können, dass er die bösen Worte „Ekzem“ und „Neurodermitis“ nicht gebraucht hat ;-)) sei mit Homöopathie gut in den Griff zu kriegen. Da er bisher immer Recht hatte, setze ich auch dieses Mal alle meine Hoffnungen in ihn. :) Habe mich aber mittlerweile auch noch weiter erkundigt und von Neurodermitis-Patientinnen gehört, die Schwangerschaft und Stillzeit gut gemeistert haben mit entsprechend verträglichen Salben oder Cremes. Das beruhigt mich gleich noch mehr. Ein guter Zeitpunkt, mal eine Zwischenbilanz der bisherigen „Schwangerschafts-Wehwehchen“ zu ziehen: Außer diesem Ekzem habe ich selten Muskelkrämpfe (aber die habe ich ja schon, solange ich denken kann), ab und an Kreuzschmerzen, Durchschlafprobleme (es wird halt immer schwieriger, den wachsenden Bauch im Bett so zu lagern, dass nix zieht und zwickt) und in einigen Sitz-, Steh- und Liegepositionen schläft mir immer mal wieder der linke Oberschenkel ein, da wird dann wohl irgendwo ein Nerv abgeklemmt. Bessert sich aber sofort wieder, wenn ich mich bewege. Alles in allem bin ich also wohl noch ziemlich gut dran und darf mich eigentlich gar nicht beschweren…

Samstag
Hurra, gestern abend hat Achim das erste Mal seinen Sohn treten gespürt! Ich hatte ihm zwar schon oft bescheid gesagt, wenn er sich mal wieder bewegte, aber irgendwie waren die Tritte genau dann entweder nicht fest genug, um sie von außen zu spüren (man spürt sie ja sowieso nur ganz leicht von außen bisher) oder hörten gleich ganz wieder auf. Das Kind macht halt, was es will. ;-) Es war ein wunderschönes Erlebnis, Achims Gesicht zu sehen, als er gestern selbst das erste Mal spüren konnte, dass sich da jemand in meinem Bauch bewegt. Und ich freue mich, dass wir dieses Erlebnis in den nächsten Monaten noch oft haben werden - auch wenn ich andererseits schon sooo ungeduldig darauf warte, mein Kind nicht nur treten zu spüren sondern auch zu sehen. :)

22. Woche

Samstag
Diese Woche ist irgendwie nicht viel passiert. Das Ekzem ist etwas besser geworden aber immer noch nicht weg. Ich freue mich aber gewaltig über die stärker werdenden Tritte des Kleinen, Achim kann sie nun eigentlich jedes Mal mit der Hand spüren. Manchmal muß ich einfach anfangen, zu lachen, weil das Gefühl teilweise sehr lustig ist und die Vorstellung, dass jemand in mir Turnübungen macht, einfach nur wunderschön. Um aber noch irgendwas aufgeschrieben zu haben (und weil ich das schon lange tun wollte), notiere ich hier mal kurz, wie ich mich momentan ernähre: - das erste Frühstück morgens besteht aus Vollkornbrot mit Aufstrich (meist selbstgemacht, aus Tofu, Sonnenblumenkernen, Bohnen etc., manchmal auch fertig gekauft) und etwas Obst/rohem Gemüse, einem Glas Saft und Früchte- oder Kräutertee - das zweite Frühstück ist an ca. fünf Tagen in der Woche ein Müsli aus Haferflocken, Nüssen, Kokosraspeln, Rosinen, getrockneten Feigen und frischen Früchten (wie Apfel, Banane, Kiwi…) mit Sojamilch (an den anderen Tagen habe ich Kuchen als Zwischenmahlzeit ;-)) - das Mittagessen nehme ich meist sehr spät ein, also nicht vor 15 Uhr, oft auch erst gegen Abend und ist so gut wie immer aus frischen Zutaten zubereitet (gestern gab es z.B. Kartoffelknödel mit Sellerieschnitzel und Soße, am Tag davor Moussaka, davor Kartoffelbrei mit grünen Bohnen und Soja-Steaklis, außerdem des öfteren Salat) - abends esse ich dann so, wie ich Hunger habe; oft noch mal eine Schale Cerealien mit Sojamilch oder noch mal Brot, eventuell eine Suppe - zwischendurch esse ich über den Tag verteilt immer mal wieder frisches Obst/Gemüse, wovon wir immer einen Vorrat im Kühlschrank haben oder auch mal einen Sojapudding; als Getränke nehme ich Mineralwasser mit einem hohen Kalziumgehalt, Tee und Säfte zu mir Insgesamt hat sich mein Essverhalten durch die Schwangerschaft nur insofern verändert, als dass ich noch mehr darauf achte, mich gesund zu ernähren; aber all das, was ich jetzt so esse, mochte ich auch schon vorher, ich habe also nicht wirklich etwas verändert. Wäre wohl auch nur nötig gewesen, wenn ich mich vorher von Junkfood ernährt hätte. ;-)

23. Woche

Dienstag
War heute wieder beim Heilpraktiker wegen des Ekzems, neues Mittel, neues Glück. Ich hoffe sehr, dass das greift, könnte mir die Haut teilweise echt abziehen, so juckt die. Ansonsten fühle ich mich aber sehr fit, das Wetter ist super und ich liebe es, mit den Hunden draußen zu sein. Dann wird auch der Juckreiz besser, weil ich abgelenkt bin.

Mittwoch
Gestern abend hat meine Tante noch angerufen, wollte hören, wie es mir geht und natürlich auch, ob ich mich denn „vernünftig ernähre“. Ich: „Selbstverständlich ernähre ich mich vernünftig - oder hattest du, als du mich die letzten Male gesehen hast, den Eindruck, ich sei mangelernährt?“ Sie: „Ja, aber in der Schwangerschaft…, ich mach mir ja auch nur so meine Gedanken… Wo kriegst Du denn dein Eiweiß her?“ Ich: „Sojaprodukte, Seitan, Hülsenfrüchte usw. usf.“ Sie (komplett verwirrt): „Ach, ach so… Naja, weißt du ich mach mir ja nur so meine Gedanken.“ Damit war das Gespräch über meine Ernährung glücklicherweise beendet; ich merke, daß ich schnell den Drang habe, unfreundlich zu werden da diese Fragen in der jetzigen Situation ja nicht einfach nur von Unwissenheit zeugen (wie sonst, wenn jemand fragt „Aber was isst du denn so als Veganer?“) sondern, gerade wenn sie von Leuten kommen, die wissen, dass ich seit Jahren mit veganer Ernährung gesund und munter bin, irgendwie immer implizieren, ich würde (wolle?) meinem Kind schaden. Und darauf reagiere ich nun mal, wie wahrscheinlich so ziemlich jede Schwangere, äußerst allergisch. Die Leute sollen gefälligst mal nachdenken bevor sie ihre bescheuerten Sprüche klopfen. So, jetzt hör ich besser auf, sonst schreibe ich mich hier heute noch in Rage. ;-)

Samstag
Bin total geschafft, das Wetter ist extrem scheiße, es ist seit zwei Tagen nur schwül, ich schlafe nachts kaum; mein Bauch kommt mir das erste Mal wie eine Last vor, die ich mit mir rumtrage, zumal er enorm gewachsen ist. Umfang liegt bei knapp 98 cm - allerdings weiß ich nicht, bei wieviel cm ich in die SS gestartet bin. Wie auch immer, meine erste Umstandshose in Größe M, die am Bund in der Weite verstellbar ist, passt gerade noch so. Glücklicherweise habe ich die gleich noch mal in L erstanden; dürfte dann zwar an den Beinen etwas weiter sein, aber dafür am Bauch bequem. :) Doch auch wenn ich gerade so fertig bin - mein Baby turnt und tritt und boxt, ihm scheint es sehr gut zu gehen. Manchmal ist es fast ein Gefühl, als würde es in mir tanzen, und dann bin ich einfach nur glücklich. :)

24. Woche

Montag
Heute war wieder Vorsorgeuntersuchung beim Gyn. Es wurde kein Ultraschall gemacht, da keine Auffälligkeiten festzustellen waren. Ich wiege jetzt 75 Kilo, mein HB-Wert liegt bei 14,3. Wenn ich das nächste Mal einen Termin habe, hat schon das letzte SS-Drittel begonnen! :)

Sonntag
Hatte diese Woche einiges zu tun, was aber gar nicht schlecht war, denn der Juckreiz an meinem Ekzem treibt mich noch in den Wahnsinn. Wenn ich beschäftigt bin, ist es nicht so schlimm. Aber ich will mich nicht beschweren, sonst geht es mir gut und vor allem wohl auch dem Kind - jedenfalls kann man kräftigere Tritte nun schon sehen anstatt sie nur zu fühlen. Die Bauchdecke hebt sich dann ein ganzes Stück an. :) Heute habe ich die Umstandsjeans in Größe M endgültig in den Schrank gehängt und werde sie da wohl auch bis nach der Entbindung (dürfte, etwas enger gestellt, für die Fahrt vom Krankenhaus nach Hause ganz bequem sein) hängen lassen. Mein Bauchumfang ist auf fast 100 cm (es fehlen noch wenige mm) gewachsen. Naja, ab und an packen mich jetzt mal Gelüste, könnte also auch etwas damit zu tun haben ;-), aber in gedecktem Apfelkuchen sind bestimmt auch noch ein paar wertvolle Nährstoffe enthalten. ;-)

25. Woche

Dienstag
Heute war ein extrem schöner Tag. Es geht mir gut und mein kleiner Bub strampelt und boxt fleißig in meinem Bauch. Achim und ich haben heute Nachmittag eine ganze Zeit lang zusammen auf dem Bett gelegen und zugesehen, wie sich mein Bauch bewegt hat. Es sah fast so aus, als würde da drin jemand Purzelbäume schlagen. Und ich könnte jedes Mal wieder vor Glück schreien, wenn ich mir sehe und fühle, wie fidel mein Kind schon ist.

Samstag
22 Uhr. Wir haben eine elend lange Autofahrt durch halb Deutschland (Tiertransport ;-)) hinter uns, auf der Heimfahrt hatte ich vermehrt Schwangerschaftswehen, bin einfach nur fix und fertig. Werde nun etwas Magnesium nehmen und mich dann mit einer Wärmflasche ins Bett legen.

Sonntag
Die letzte Nacht war echt der Horror, da habe ich erst gemerkt, wie anstrengend die Fahrt gewesen ist; die Wehen kamen immer wieder, wurden glücklicherweise aber nicht schlimmer sondern blieben normale „Übungswehen“, gegen Morgen wurde es dann besser und ich konnte schlafen. Jetzt fühle ich mich wieder einigermaßen ausgeruht. (später…) Habe heute einen alten Bekannten getroffen, der mich natürlich nach wenigen Sätzen („Oh, du bist guter Hoffnung, wie schön!“) mit sorgenvollem Gesichtsausdruck fragte: „Aber das Kind willst du nicht vegan ernähren, oder?“ Dem folgte dann eine ziemlich lange Diskussion über Tierrechte (nachdem er dem Argument, dass ich sogar in der SS trotz erhöhtem Nährstoffbedarf mit veganer Ernährung fit bin und meinem Kind selbstverständlich beibringen werde, was ich für richtig und falsch halte - so, wie jede andere verantwortungsbewusste Mutter auch), in der ich mir vorwerfen lassen musste, „nicht tolerant“ zu sein gegenüber "Andersdenkenden" und dass „Tiere doch dazu da sind, gegessen zu werden“. Und das nur, weil man sich als schwangere Veganerin mal in der Öffentlichkeit zeigt. ;-/

26. Woche

Dienstag
Heute war „Infoabend für werdende Eltern“ in dem Krankenhaus, wo ich wahrscheinlich entbinden werde. Die Hebamme, die den Vortrag hielt, war sehr nett und erklärte sehr viel, insgesamt scheinen sie dort schon sehr bemüht zu sein, auf die Wünsche der gebärenden Frauen einzugehen und möglichst wenig an Medizin und Technik einzusetzen. Aber es bleibt halt doch ein Krankenhaus, bin mir immer noch sehr unsicher, was das angeht…

Mittwoch
Habe mir das mit dem Krankenhaus noch mal genau durch den Kopf gehen lassen, werde es wohl auch in einem Geburtshaus nicht netter haben. Mein Ekzem hat sich übrigens mal wieder gebessert, es juckt immer noch höllisch, wird aber kleiner, ich warte also weiter ab… Essensmäßig habe ich gerade eine echte Haferflockenphase, die esse ich nicht nur im normalen Müsli sondern mache mir abends noch mal eine große Portion mit Nüssen und Trockenfrüchten und Sojamilch. Und Bananen sind ebenfalls total klasse… ;-)

Samstag
Noch 100 Tage!!! (Naja, zumindest bis zum errechneten Termin. ;-)) Die letzten Nächte habe ich mal wieder ziemlich schlecht geschlafen, prompt wurde ich gestern beim Einkaufen von einer Bekannten angesprochen „Oh je, hast du denn genügend Eisen?“. NEIN! ALS VEGAN LEBENDER MENSCH DARF MAN NIE AUGENRINGE HABEN; NIENIEMALS! ;-) Mir geht es jedenfalls gut, und meinem Kind, den Bewegungen nach zu urteilen, auch. Und die Vorfreude wird immer größer. :)

27. Woche

Dienstag
Habe heute mir einer Frau gesprochen, die sehr besorgt reagierte, als sie erfuhr, dass ich schwanger und vegan bin. Sie erzählte mir, dass eine Verwandte von ihr vor Jahren ebenfalls mal „vegan“ gelebt hätte, die sei damals auch schwanger gewesen und die Schwangerschaft habe statt neun Monaten zehn gedauert. Als das Kind dann zur Welt kam, wog es nur um die 2 kg. Nach ein paar Monaten klingelte spät abends bei der Frau das Telefon, die Mutter des Kindes war dran und sehr aufgeregt, da ihr Kind apathisch, der Bewußtlosigkeit nahe, im Bett lag. Sie fuhr dann zu ihr hin und mit ihr und dem Kind zusammen ins Krankenhaus. Dort wurden starke Unterernährung und ein schwerer B12-Mangel (sowie wahrscheinlich noch einige weitere Schäden) diagnostiziert. An der Stelle ist es wohl notwendig, zu erwähnen, dass die Kindsmutter sich natürlich nicht ausgewogen vegan ernährt hatte, sondern Rohköstlerin, genauer gesagt Konz-Anhängerin, war. Abgesehen davon, daß sie und ihr Kind offensichtlich weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit auch nur annähernd ausreichend mit Nährstoffen versorgt waren, hatte sie in der Schwangerschaft kein einziges Mal einen Frauenarzt zur Kontrolle aufgesucht und später mit ihrem Kind keinen Kinderarzt (denn das sind ja, wie Konz-Kenner wissen, alles geldgeile Bösewichte). Als das Kind ins Krankenhaus kam, war es zwar nicht zu spät, um sein Leben zu retten, aber zu spät, um die entstandenen Schäden wieder gutzumachen. Es soll heute, Jahre später, in seiner Entwicklung noch immer stark zurückgeblieben sein und wird wohl niemals ein normales Leben führen können. Das musste ich hier nun einfach mal aufschreiben. Das Gespräch mit der besorgten Frau war das erste konstruktive, was ich seit langem mit jemandem, der Mangelerscheinungen aufgrund veganer Ernährung befürchtete, geführt habe. Ich konnte sie ziemlich schnell beruhigen, als ich ihr sagte, daß ich Vitamin B12 supplementiere, mich nicht ausschließlich roh ernähre, alle Vorsorgetermine beim Frauenarzt wahrnehme und meine Blutwerte einwandfrei sind. Doch es erschreckt mich sehr, daß es doch einige Leute zu sein scheinen, die sich so in diesen Konz-Wahn reinsteigern, daß sie nicht einmal mehr mitkriegen, wenn das eigene Kind todkrank ist. Die Kindsmutter meinte es mit Sicherheit nur gut, glaubte sie doch, daß rohe Nahrung das einzig Wahre ist und alle Mediziner böse sind. Und Böses wollte sie ihrem Kind ja nicht antun. Das war nun jedenfalls der vierte „Fall“, von dem ich diesbezüglich gehört habe. Und viele andere kommen wohl niemals ans Tageslicht …

Sonntag
Heute haben wir jede Menge Babysachen von Achims Neffen abgeholt. Zuhause saß ich dann in einem Berg von Strampelanzügen, Bodys und Co. Und war total hingerissen, als ich mir vorstellte, daß unser Baby das bald tragen wird. :) Sonst war die Woche nichts weiter los; ich genieße die kurzen Spaziergänge mit den Hunden (Ali kann ja nicht mehr so weit) und meinen wachsenden Bauch. ;-)

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von vegankids.de (Datum: 14. Februar 2006)
Freitag, 18. Mai 2012